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Lehrende
Eine Welt im Aufruhr. Der Umgang mit Revolten und Rebellionen in der Frühen Neuzeit
DozentIn: Prof. Dr. phil. Siegrid Westphal
Veranstaltungstyp: Vorlesung
Ort: 15/128
Zeiten: Mi. 10:00 - 12:00 (wöchentlich)
Beschreibung: 2025 wird das 500. Jubiläum des Deutschen Bauernkriegs gefeiert, der in der Forschung als „Revolution des Gemeinen Mannes“ (Peter Blickle) bezeichnet wird. Die Vorlesung nimmt dies zum Anlass, die vielfältigen Rebellionen und Revolten der Frühen Neuzeit in den Blick zu nehmen. Der Fokus liegt dabei auf dem Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation, das als Landfriedensordnung besondere Mechanismen ausgebildet hat, um nach dem Deutschen Bauernkrieg von 1525 weitere Untertanenaufstände zu verhindern. Die ältere historische Forschung ging lange Zeit davon aus, dass mit der Niederschlagung des Bauernkrieges die Bauern aus der Geschichte politisch ausgeschieden seien. Mittlerweile ist diese Ansicht jedoch überholt. Der aufständische Bauer blieb über die Jahrhunderte hinweg ein wichtiges Thema der politischen und juristischen Diskussion. Die den Bauern auf dem Speyerer Reichstag von 1526 eingeräumte Möglichkeit, ihre Beschwerden gegen ihre Herrschaft an der höchsten Gerichtsbarkeit im Alten Reich einzureichen, wird sogar als langfristig positive Folge des Bauernkriegs begriffen. Unter dem Stichwort "Verrechtlichung von sozialen Konflikten" liegen in der Zwischenzeit eine Fülle von Arbeiten vor, welche die nach dem Bauernkrieg auftretenden, regional begrenzten Untertanenkonflikte und Untertanenklagen am Reichskammergericht oder dem Reichshofrat untersuchen. Übereinstimmend sprechen die Historiker davon, dass die weiterhin bestehenden Konflikte nicht mehr mit Gewalt, sondern auf rechtlichem Wege ausgetragen worden seien. Die Vorlesung will dies anhand zentraler Konflikte beleuchten und hinterfragen, ob die Verrechtlichung letzten Endes ein wirksames Mittel war, das vorhandene Konfliktpotential auf gewaltfreiem Weg zu entschärfen.
