Fachbereich 7

Sprach- und Literaturwissenschaft


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Mystik im Mittelalter (Mechthild von Magdeburg und Meister Eckhart) (MA, FN/ÄDL 3 oder 4, LA Gym Hauptstudium, Mag. Germanistik)


DozentIn: Prof. i. R. Dr. phil. Harald Haferland

Veranstaltungstyp: Seminar

Ort: 41/215

Zeiten: Di. 16:15 - 17:45 (wöchentlich)

Beschreibung: Als ‚Deutsche Mystiker’ firmieren einige prominente dominikanische Prediger des 14. Jahrhunderts (insbesondere Meister Eckhart, Heinrich Seuse und Johannes Tauler; aber auch andere weniger bekannte Prediger), die im Rahmen der Unterweisung von Nonnen (der sog. ‚cura monialium’) deutschsprachige Predigten in Frauenklöstern gehalten haben. Die Predigten sollten den meist nicht lateinisch gebildeten Nonnen religiöse Unterweisung bieten. Als ‚Mystik’ gilt dabei die Abkehr von jeglicher Bindung an weltliche Güter und die völlige Hinwendung zu Gott. Diese Hinwendung wird als Fokussierung auf das eigene Bewusstsein vollzogen, das von allen Inhalten frei zu machen ist, damit Gott hineingelangen kann. Meister Eckhart würde sagen, dass dieses Leerbewusstsein den einzigen Ort darstellt, in dem Gott überhaupt angetroffen werden kann, ja der Ort ‚ist’ sogar Gott. In immer neuen, oft metaphorisch untermauerten Beschreibungen wird die Begegnung und Einswerdung (unio) mit Gott formuliert.
Parallel zu dieser Unterweisungsmystik bildet sich eine Erfahrungs- und Offenbarungsmystik von Frauen heraus, die sich oft als Medien göttlicher Mitteilung verstehen. „Die schrift dis buoches ist gesehen, gehoeret unde bevunden an allen lidern“ heißt es entsprechend bei der frühesten Vertreterin der Frauenmystik, Mechthild von Magdeburg. Gott selbst spricht durch Mechthild hindurch, die ihren Körper und ihr Schreiben zum Medium göttlicher Liebe macht. Ab ca. 1250 schreibt sie über drei Jahrzehnte an einem gattungsmäßig völlig ungebundenen Text, in dem sie ihren von göttlicher Liebe durchflossenen Körper in die Schrift bringt. In z. T. ekstatischer Prosa und unter Verletzung von Regeln textueller Kohärenz sprengt sie literarische Konventionen und sprachliche Restriktionen zur Darstellung einer Religiosität, wie sie erst durch die neuen religiösen Bewegungen des 13. Jahrhunderts (insbesondere die Beginen) überhaupt möglich wird.
Im Seminar sollen ausgewählte Partien aus Mechthilds ‚Fließendem Licht der Gottheit’ gelesen werden sowie eine Reihe ausgewählter Predigten Eckharts. Die Texte werden in Form von Kopiervorlagen zur Verfügung stehen. (Angeschafft werden können daneben die Ausgaben (+ Übersetzung) von Mechthilds ‚Fliessendem Licht’ und Eckharts Werken (2 Bde.) aus dem Deutschen Klassiker Verlag, Frankfurt am Main 1993 und 2005).
Eine hervorragende Einführung bietet: Bernard McGinn: Die Mystik im Abendland. Band IV: Die Fülle. Freiburg im Breisgau 2008.


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